Die Brüder unserer Legehennen… wie sieht die Zukunft aus?

Erscheinungsdatum: 24 November 2020

In der heutigen Praxis werden in den Brütereien die männlichen Küken aussortiert und mit CO2 eingeschläfert. Obwohl diese Bruderküken kein Abfallprodukt sind, sondern als hochwertige Quelle tierischer Proteine unter anderem an Fleischfresser in Tierparks, an Reptilien und Greifvögel verfüttert werden, ruft die Tatsache, dass diesen Küken ein vollwertiges Leben verwehrt wird, in der nordwesteuropäischen Gesellschaft zunehmend ethische Fragen auf. Über die Tötung von Bruderküken wird darum schon seit mehr als zehn Jahren von Regierungen, Tierschutzorganisationen und dem gesamten Legegeflügelsektor diskutiert. In den vergangenen Monaten wurde in den Medien viel über neue Entwicklungen berichtet, die eine Alternative zur Tötung der männlichen Küken darstellen können. Verbeek beteiligt sich intensiv an diesen Entwicklungen; fast täglich gehen bei uns Fragen zu diesem Thema ein. Darum erscheint uns dies als guter Zeitpunkt, Sie über den aktuellen Sachstand zu informieren.

Mit der Entwicklung von Techniken zur Bestimmung des Kükengeschlechts im Brutei steht möglicherweise bald eine Alternative zum Einschläfern der männlichen Küken zur Verfügung. Momentan arbeiten in Europa vier Unternehmen an Techniken zur Geschlechtsbestimmung während des Brutprozesses: Seleggt, In Ovo, AAT und Planton. Die ersten drei Unternehmen haben ihren Ursprung in verschiedenen europäischen Universitäten. Die Technik der Geschlechtsbestimmung, an der Seleggt arbeitet, wurde an der Universität Leipzig entwickelt. In Ovo hat seinen Ursprung an der Universität Leiden (Niederlande), AAT an der Universität Löwen (Belgien). Planton ist ein deutsches privatwirtschaftliches Unternehmen, das mit Seleggt zusammenarbeitet. Unter den folgenden Links finden Sie nähere Informationen zu diesen Unternehmen und den von ihnen angewendeten Techniken zur Geschlechtsbestimmung.

 

http://www.seleggt.com

https://inovo.nl

https://www.agri-at.com

https://www.planton.de/e_home.html

 

Seleggt (inkl. Planton) und In Ovo entnehmen mit einem nichtinvasiven bzw. invasiven Verfahren etwa am 9. Tag des Brutprozesses eine minimale Menge von Allantoisflüssigkeit aus dem Ei. Diese Flüssigkeit enthält je nach Geschlecht des Kükens ein anderes Hormon. Nach Aufbringen der Allantoisflüssigkeit auf einer Elisa-Platte kann anhand einer Farbreaktion das Hormon bestimmt werden. So lassen sich die Eier mit männlichen Embryonen aussortieren (siehe nachstehende Abbildung 1). Abgesehen von den Kosten und der Frage des Absatzes dieser Eier ist die Verarbeitungskapazität bei dieser In-ovo-Geschlechtsbestimmung momentan noch zu begrenzt, um eine wirkliche Alternative zum Einschläfern der Bruderküken darzustellen.

 

 

Abb. 1: Schematische Darstellung der Geschlechtsbestimmung am 9. Tag des Brutprozesses Quelle: www.seleggt.com

AAT macht von einem spektroskopischen Verfahren Gebrauch, das sich im Vergleich zu anderen In ovo-Techniken durch relativ hohe Geschwindigkeit und Kapazität auszeichnet. Die Spektroskopie macht sich die Tatsache zunutze, dass sich Eier mit männlichen Embryonen hinsichtlich der Lichtabsorption von Eiern mit weiblichen Embryonen unterscheiden. Dabei ist allerdings anzumerken, dass (I) diese Technik nur für Eier brauner Legehybriden geeignet ist, also nicht für weiße Eier, und (II) erst in einem relativ späten Stadium des Brutprozesses (um den 14. Tag) angewendet werden kann.

Das hat einen einfachen Grund: um eine Differenz in der Lichtabsorption wahrnehmen zu können, müssen sich die männlichen und weiblichen Embryonen voneinander unterscheiden. Bei Braunlegern sind die weiblichen Küken braun, die männlichen dagegen weiß. Bei Weißlegern jedoch sind sowohl die männlichen als auch die weiblichen Küken weiß; sie können also nicht anhand der Farbe voneinander unterschieden werden. Als zweite Voraussetzung für diese Technik gilt, dass die Federfollikel auf dem Embryo sichtbar sein müssen. Diese beginnen sich am 11. Tag des Brutprozesses zu entwickeln. Bei Versuchen wurde festgestellt, dass der Unterschied in der Farbentwicklung der Federfollikel erst um den 14. Tag des Brutprozesses groß genug ist, um eine zuverlässige Spektroskopie zu gewährleisten. Verschiedene Akteure der Branche bezweifeln jedoch, dass die Tötung der Embryonen zu diesem Zeitpunkt ethisch noch vertretbar ist. Um den 14. Tag des Brutprozesses ist der Embryo nämlich schon so weit entwickelt, dass das Schmerzempfinden bereits so gut wie vollständig ausgeprägt ist. Die folgende Abbildung zeigt einen Vergleich mit der Entwicklung des menschlichen Fötus. Bei der Tötung in diesem Alter ist darum sorgfältig auf Eliminierung des Schmerzempfindens zu achten.

 

Abb. 2: Embryonale und fötale Entwicklungsstadien bei Mensch und Huhn. Quelle: BjØrnstad et al.

 

Aufzucht von Bruderküken

Neben der Verwendung als proteinreiches Futtermittel und den Techniken zur Geschlechtsbestimmung im Brutei kann auch erwogen werden, die männlichen Eintagsküken zu Masthähnchen aufzuziehen. In diesem Fall werden die Bruderküken bis zum Alter von etwa 14 Wochen unter denselben Tierschutz- und Haltungsbedingungen aufgezogen wie die Legehennen. Der ökologische Fußabdruck (in Form der Futtermenge je kg Fleisch) ist in diesem Fall natürlich größer als im Falle der spezialisierten Aufzucht von männlichen und weiblichen Masthühnern. Im Rahmen der Nachhaltigkeits- und Tierschutzbestrebungen in Nordwesteuropa, wo die Lebensdauer an sich schon ein ethischer Aspekt ist, ist dies aber durchaus eine realistische Möglichkeit. Der biologische Markt hat hierzu Stellung bezogen; in dieser Branche wird einer längeren Lebensdauer der männlichen Küken vor dem frühzeitigen aussortieren während des Brutprozesses dem Vorzug gegeben, vor allem wenn das Aussortieren in einem späten Stadium des Brutprozesses (nach dem 10. Tag) erfolgt. Darum werden die Bruderküken in diesem Segment immer häufiger zu 14 Wochen alten Masthähnchen aufgezogen. Diese Bestrebungen beginnen sich inzwischen auch im regulären Sektor durchzusetzen.

Ergänzend zur Aufzucht von Bruderküken haben wir bei Verbeek in 2014 zusammen mit den anderen niederländischen Brütereien Verantwortung übernommen, indem wir mit dem Landwirtschaftsministerium, Tierschutzorganisationen, In-Ovo und LTO/NOP eine Vereinbarung geschlossen haben. Darin verpflichten sich die Beteiligten, an der Entwicklung und Anwendung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung mitzuwirken, die zuverlässig und bezahlbar sind, ausreichende Kapazität bieten und in einem frühen Stadium des Brutprozesses (vor dem 10. Tag) angewendet werden können. Anders als es in Deutschland und Frankreich der Fall ist, die sind von der niederländische Regierung keine gesetzlichen Bestimmungen erlassen, bevor tatsächlich praxistaugliche Verfahren existieren.

 

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